Sie sitzt auf ihrem Stuhl. Ganz vorne in der Kirche. Sie hält seine Hand. Ganz fest. Sie blickt ihm in die Augen. Ganz tief. Und seine Hand streicht zärtlich über ihre. Während alle anderen singen, ein Lied über Friede, über Liebe, über Glück, vergessen sie die Welt. Für einen kleinen Augenblick. Für einen kleinen Augenblick, sind sie mit sich alleine. Verbunden. Irgendwie.

Ihr Vater sitzt hinter ihr. Lächelnd. Stolz. Voller Glück. Es ist ihr Tag. Und das weiß er. Später, im Festsaal, steht er auf. Seine Augen sind voller Güte. Sein Gesicht zufrieden. Er legt die rechte in die linke Hand und blickt zu seinem Kind. Zu seinen Kindern. Denn der Mann, der seine Tochter so sehr liebt, ist zu seinem Sohn geworden. Zu einem Teil seiner Familie. Die Freude darüber kann man ihm ansehen. Seine Dankbarkeit spiegelt sich in seinen Augen. Und am Ende gibt er ihnen einen Wunsch mit auf den Weg. Einen Wunsch, der aus lediglich zwei Worten besteht und dennoch alles sagt.

Werdet glücklich

Später geht das Licht aus. Nicht ganz. Nur etwas. Alle im Saal bilden einen Kreis. Ein langsames Lied ertönt aus den Boxen. Nicht zu laut. Nicht zu leise. Genau passend. Wie dieser Augenblick. Sie steht inmitten des Kreises. Blickt zu ihm rüber. Und er weiß genau, was zu tun ist. Er nimmt ihre Hand. Zieht sie an sich heran. Ganz fest. Er gibt ihr einen Kuss auf die Stirn. Dann legt sie ihren Kopf auf seine Schultern, während sie langsam zur Musik tanzen. Das ist ihr Lied. Ihr Tanz. Ihr Augenblick.

Immer sind sie da. Diese kleinen, kostbaren Tropfen. Diese Tränen, die aus Glück, Liebe und Zufriedenheit geboren werden. Freudentränen. Sie waren da, als er ihre Hand in der Kirche hielt. Sie waren da, als ihr Vater ihnen den wohl wichtigsten Wunsch des Tages mit auf den Weg gab. Man sah sie, als dieses eine Lied erklang und er zärtlich ihre Stirn küsste. Sie waren da, als sie einen ihrer schönsten Tage erleben durfte.

Am Rande des Teiches, in einem kleinen Steinbeet, liegt ein Zettel. Ein kleines Stück Papier. Auf dem drei Worte geschrieben stehen.

„Für die Freudentränen“

Ich sehe ihn. Ich lese die Worte, die auf ihm stehen und denke nach. Einen kleinen Augenblick bin ich abwesend. Vergesse den Teich. Vergesse das Steinbeet. Und ich vergesse die Hochzeitsgesellschaft, die feiernd hinter mir liegt. Ich mache mir bewusst, wofür ich in diesem Moment dankbar bin. Für die Freudentränen. Jeden einzelnen, kleinen Tropfen, die ich immer wieder sehen darf, wenn Menschen ein großes Stück Glück in ihrem Leben finden. Für die Freundtränen. Dafür bin ich dankbar. Immer. Wieder.

Und es ist schön, dankbar zu sein. Immer an Tagen wie diesen.