Und dann ist es so, als ob sich die Welt langsamer drehen würde. Es ist so, als würde sie jeden Moment innehalten. Innehalten. Stillstehen. Still sein. Und es ist so, als wolle die Welt Dir durch die Stille etwas sagen. Als wolle sie Dir sagen, dass etwas nicht richtig ist. Das etwas fehlt. Doch das braucht sie Dir nicht sagen. Du weißt es bereits. Du merkst es bereits. Und Du ziehst an den Fäden Deiner Gedanken. Du ziehst daran und findest kein Ende. Du findest kein Ende, obwohl es immer ein Ende gibt.

Tage sind nur eine Aneinanderreihung von Stunden. Stunden nur die Folge von Minuten. Minuten werden aus Sekunden geboren. Und im Grunde ist es alles eins. Vergänglich.

Manchmal fehlen einem die Worte, die beschreiben können, was man fühlt. Sie fehlen einfach. Sie sind nicht existent. Und alles was man sagen könnte, ist nur eine Aneinanderreihung von Buchstaben, die bei näherer Betrachtung mitunter einen Sinn ergeben könnten. Und dennoch drücken sie nicht einmal im Ansatz aus, was man fühlt. Im Inneren. Im Herzen.

Und wenn ich dann daran denke, was ich fühle, bemerke ich die Ohnmacht in mir. Die Ohnmacht das zu fühlen, was jene fühlen, die Dir so Nahe standen. Und ich stelle fest, dass man immer nur den Schlag fühlt, der einen selbst trifft. Ich erkenne, dass das Leiden der Anderen – selbst bei allem Mitgefühl und bei der größten Fantasie – nur eine irreale Größe bleibt. Die Unbekannte einer Gleichung. Einer Gleichung, die man niemals im Stande ist zu lösen. Der Schrei der Dich Liebenden ist für andere immer nur ein mattes Echo. Und die Worte, die es zu sagen gilt, bleiben stumm. Nicht hörbar.

Man sagte mir, dass Dein Herz schwach sei. Doch als ich Dich zum ersten Mal traf, wusste ich, dass das nicht stimmt. Dein Lachen. Das Strahlen Deiner Augen. Dein Wortwitz. Dein Lebensmut. Das hat mich alles stark beeindruckt. Und mir war sofort klar, dass vor mir eines der stärksten Mädchen sitzt, die ich je kennenlernen durfte. Und ich bin froh, dass Du da warst. Ich bin froh, dass ich Dich kennenlernen durfte. Und ich weiß nicht, ob ich es je gesagt habe, aber ich bin dankbar, dass ich so viel von Dir lernen konnte.

Später trafen wir uns wieder. An einem Sonntag. Im Frühling. Das Wetter war herrlich. Der Himmel blau. Die Sonne strahlte mit Dir um die Wette und alle die Dich liebten, die Dir nah standen, waren da. Ich durfte dabei sein. Am Rand. Still. Unauffällig. Als Beobachter. Deine Oma bot mir ein Stück Kuchen an. Deine Mama kochte Kaffee. Dein Vater sprach mit den Nachbarn und der kleine Hund sprang auf Deine Beine. Es war ein herrlicher Tag. Ein Tag, den ich sicher nicht vergessen werde.

Doch manchmal werden starke Herzen schwach. Manchmal können sie nicht mehr. Und sie winken einem leise zu. Und dann geht man. Woanders hin. An einen anderen Ort. In ein anderes Licht. Und alles was bleibt sind Erinnerungen. Momente. Augenblicke. Alles was bleibt sind Hoffnung. Mut. Und Zuversicht. Alles was bleibt sind die Dinge, die Du mir gezeigt hast. Kraft. Glaube. Stärke. Ich habe in der kurzen Zeit soviel von Dir gelernt. Und Dein Gehen macht mich traurig.

Ich denke an eine Geschichte. Ein junger Mann steht am Hafen. Er beobachtet ein Schiff wie es am Horizont verschwindet. Und während er das tut, findet eine Träne ihren Weg zum Boden. Ein alter Mann steht daneben. Er legt seine Hand auf die Schulter des Jungen. „Nun ist es verschwunden“, sagt er. „Wohin?“, wollte der Junge wissen. „Nur aus Deinem Blickfeld. Das ist alles. Dein Schiff ist immer noch so schön, so groß und so wunderbar wie vorher. Und während Du ihm nachsiehst, scheint es für Dich, als würde es kleiner werden. Aber das liegt nur an Deinen Augen. Mit dem Schiff hat es nichts zu tun. Und gerade dann, in dem Moment, in dem es aus Deinen Augen verschwindet, gibt es Andere, die es kommen sehen. Und diese Stimmen rufen freudig aufgeregt: Hurra. Das Schiff. Da kommt es.“

Mach es gut kleines Mädchen. Es war schön, dass Du da warst. Dein Lachen. Dein Mut. Deine Hoffnung. Und Deine Kraft. Das alles hat aus vielen einen besseren Menschen gemacht. Auch aus mir. Danke dafür.