Jeden Tag treffen wir Entscheidungen. Ja oder Nein. Rein oder raus. Fahren wir heute hierhin oder dorthin. Und dann gibt es noch die wirklich wichtigen Entscheidungen. Die, die unser Leben maßgeblich verändern können. Möchten wir diesen Menschen lieben oder hassen. Sind wir heute Held oder doch eher Feigling. Möchten wir kämpfen oder aufgeben. Leben oder sterben.

Leben oder sterben? Kämpfen oder aufgeben? Ja. Jeden Tag treffen wir Entscheidungen und die Frage, ob wir leben oder sterben wollen ist sicherlich eine der Wichtigsten davon. Natürlich wirst Du sagen, dass Du leben willst. Leben. Aber lebst Du wirklich das Leben, das Du leben möchtest? Oder verlierst Du Dich oft in Deinem Alltag und tust Dinge, die Du eigentlich nicht tun möchtest? Und kommt das nicht einem Sterben gleich? Ist es nicht wie Sterben, wenn wir unsere Wünsche und Träume aufgeben, nur, um zu funktionieren?

Und letzten Endes sind es unsere Entscheidungen, durch die wir uns selbst definieren. Allein durch sie können wir unserem Leben, unseren Worten und unseren Träumen Bedeutung verleihen. Nur durch sie können wir aus dem, was wir sind, das machen, was wir am Ende sein wollen.

Die wichtigste Entscheidung

Mein Leben verlief nicht immer geradlinig. Lange hatte ich keine Idee, keine Vorstellung, was ich vom Leben erwarten konnte. Ich flüchtete mich in kurzweilige Vergnügen. Ich probierte dieses aus. Oder jenes. Aber ich kam nie wirklich an. Irgendwann landete ich dann in der Marketingabteilung eines renommierten Kreditinstitutes. Allerdings hatte ich weder Abitur, noch ein Studium in der Tasche. Ich startete als Quereinsteiger. Mein direkter Vorgesetzter war der Vorstand der Bank. Ich arbeitete alleine in einem großen, hellen Büro, hatte tolle Arbeitsbedingungen und kam meistens sehr gut mit meinen Arbeitskollegen aus. Natürlich. Manchmal gab es Reibungspunkte. Manchmal krachte es an manchen Stellen. Aber so ist es doch immer im Leben. Mal scheint die Sonne. Mal regnet es.

Einen wirklich unbefristeten Arbeitsvertrag hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt nie gehabt. Und irgendwie fühlte es sich gut an. Ein relativ sicherer Job. Ein tolles Büro. Feste und verlässliche Arbeitszeiten. Ein gutes Einkommen. Jedes Wochenende frei. Genügend Zeit für andere Dinge. Ich hätte glücklich sein müssen. Zufrieden. Aber das war ich nicht. Der Mann im Anzug, im Büro, das war nicht ich. Das war eine Vorstellung wie ich sein könnte oder wie andere mich gut finden würden. Es war aber nicht meine Vorstellung. Nicht meine Idee vom Leben. Trotzdem blieb ich. Ca. 6 Jahre. Und während dieser Zeit bemerkte ich, was es bedeutet, innerlich zu sterben. Dienst nach Vorschrift. Nur keine Sekunde länger. Nicht mehr tun als nötig – und am besten so wenig wie möglich.

Mit jedem Tag wurde ich unzufriedener. Mit jedem Tag wurde ich unglücklicher. Die Wochenenden verbrachte ich damit, mich mit Freunden zu betrinken. Und eigentlich lebte ich nur noch für die Wochenenden. Zuhause und im Büro wurde ich zunehmend aggressiv. Arbeitskollegen schrie ich gerne mal zusammen. Zuhause knallte ich die Türen. Und wenn mir was nicht passte, dann sagte ich das nicht. Ich schrie es. Und meistens in die Richtung von anderen.

Der 6. Januar 2014

Am 6. Januar 2014 kam ich ins Büro. Draußen regnete es. Der Himmel war wolkenverhangen. Und während ich die Aufgaben für den Tag durchging, kam mir das Wetter draußen fast einladend vor. Ich bemerkte einen Klotz in mir. Ein unerträgliches Gewicht, das mich platt an den Boden presste. Es ging nicht mehr. Ich funktionierte nicht mehr. Ich saß auf meinem Stuhl und begann zu weinen. Nicht laut. Leise. Nicht mit Tränen. Innerlich. Und während ich das tat, nahm meine rechte Hand die linke und bohrte ihre Fingernägel ganz tief in die Haut. Ich musste eine Entscheidung treffen.

3 Monate später hatte ich meinen letzten Arbeitstag. Der letzte Tag in dem Bürogebäude an der Kirchstraße. Ich verabschiedete mich von meinen Kollegen mit einem großen Frühstück. Die neue Mitarbeiterin, die meine Stelle übernahm, hatte ich gründlich eingearbeitet. Manchmal hatte ich sogar Überstunden gemacht. Überstunden, ohne mich darüber aufzuregen. Und als ich zum letzten Mal das Gebäude durch den Mitarbeitereingang verließ, fühlte ich mich frei. Wirklich frei. Und ich wusste genau, wie mein Leben in Zukunft aussehen sollte.

Arbeit ist nicht der Ort zu dem wir fahren.
Arbeit ist das, was wir tun.

Jeden Tag treffen wir Entscheidungen. Und wir alle stehen irgendwann vor der Wahl, wie unser beruflicher Weg aussehen soll. Natürlich können wir weitermachen wie bisher. Natürlich können wir das tun, was wir immer gemacht haben. Aber an dem Punkt, an dem deine Arbeit dich nicht mehr ausfüllt und nur zu einem notwendigen Übel wird, musst du darüber nachdenken, etwas anders zu machen. Ich habe mich dazu entschieden. Ich wollte fotografieren. Ich wollte schreiben. Ich wollte etwas erschaffen. Kreativ sein. Anders sein. Arbeit sollte nicht länger der Ort sein, zu dem ich morgens fahre. Meine Arbeit sollte das sein, was ich jeden Tag tue. Und nun stell dir einfach mal vor, um wieviel reicher dein Leben wird, denn du morgens aufwachst, weil du dich auf den Tag freust, nicht weil dein Wecker klingelt. Wenn du morgens aus dem Bett steigst und es nicht abwarten kannst, an die Arbeit zu gehen. An die Arbeit, die dir wirklich etwas bedeutet. Ist es denn zu viel verlangt, sich in dem, was du den ganzen Tag tust, wiederfinden zu wollen?

Ich bin Fotograf. Ich bin Texter. Ich bin Blogger.
Ich bin Unternehmer.

Nach meinem letzten Arbeitstag sprach ich mit vielen Menschen. Mit meinem Berater bei der Agentur für Arbeit, mit einem befreundeten Steuerberater. Ich wurde des Öfteren beim Finanzamt vorstellig und mit meinem Hausarzt habe ich mich ausführlich unterhalten. Ich zog meine Familie zu Rate und auch mit einigen Freunden sprach ich. Einige Stunden unterhielt ich mich mit einem befreundeten Unternehmer, der heute nicht nur ein wertvoller Ratgeber, sondern auch ein treuer Kunde geworden ist.

Gegenstimmen und verlorene Freunde.

Ich schrieb Businesspläne, die ich mit den Firmenberatern meines alten Arbeitgebers durchgearbeitet habe. Ich erstellte Konzepte, Finanzierungspläne, skizzierte Strategien und Marketingideen. Nach ausführlichen Planungen, langen Nächten und unheimlich viel Kaffee, gründete ich am 15. April mein eigenes Unternehmen. Auf eine genaue Berufsbezeichnung verzichtete ich. Genau wie auf die Einhaltung von ungeschriebenen Gesetzen und vorgegeben Konventionen. Und wenn ich heute von Arbeit spreche, dann spreche ich von der spannenden Sorte Arbeit. Der Sorte, die das Zeug dazu hat, ein Leben zu verändern.

Meine Wochenenden verbringe ich auf Hochzeiten. Immer mit glücklichen Menschen. Menschen, die Ja sagen. Zueinander. Manchmal mache ich Spaziergänge mit Familien. Mit Müttern. Mit Vätern. Und mit ihren Kindern. Ich unterhalte mich mit Ihnen. Und während ich das tue, fange ich die Momente ein. Ganz unkonventionell. Ganz natürlich. Den Beruf des Fotografen habe ich nie erlernt. Eine textliche Ausbildung habe ich nie genossen. Ein Marketingstudium habe ich nie absolviert. Ich entscheide aus dem Herz heraus und arbeite so, wie ich es mir vorstelle. Wie ich es mir wünsche.

Es war im Januar. 2014. Ein Freund feierte seinen Geburtstag. Im kleinen Kreis. Im Wohnzimmer. Und wie zu erwarten sprachen wir über mich. Über meine Kündigung. Über das, was kommen sollte. Ich erzählte von meiner Idee. Von dem Schreiben. Von den Fotos. Und von der ganz anderen Art und Weise. Ein Bekannter konnte sich darunter nichts vorstellen. Er schaute mich an. Irgendwie missbilligend. „Und dann? Hartz IV?“

Unsere Entscheidungen treffen nicht immer auf Gegenliebe. Manchmal stoßen sie auf Unverständnis. Manchmal auf Abwehr. Nicht jeder versteht, dass wir unseren Träumen folgen müssen. Sie stützen sich auf Sicherheit. Auf ein sicheres Einkommen. Auf eine solide Absicherung. Es gibt Menschen, die Dir Deine Träume ausreden wollen. Weil sie ihnen nicht sicher erscheinen. Weil ihnen die Vorstellungskraft fehlt.

Manche, die ich damals Freund nannte, haben sich abgewendet. Manche, waren nicht bereit meinen Weg mit mir zu gehen. Sie ließen sich nicht mehr blicken. Man hörte nichts mehr von ihnen. Suchte man den Kontakt, erhielt man nur kurze Antworten. Und wenn ich irgendwann mal geglaubt hatte, ich bräuchte diese Menschen, so weiß ich heute: Ich brauche sie nicht. Es gibt immer Menschen, die hinter einem stehen. Die einem den Rücken stärken. Die für einen da sind.

Folge Deinen Träumen. Lebe Dein Leben. Du hast nur dieses eine.

Fast jeden Tag treffen wir Entscheidungen. Und manche sind so wichtig, so wunderbar, so hervorragend, dass sie unser ganzes Leben verändern. Manche Entscheidungen verändern unser Leben, machen es zu einem besseren und lohnenswerteren Leben. Wichtig ist nur, dass wir bei diesen Entscheidungen auf unser Herz hören. Selbst dann, wenn unser Verstand uns sagt, dass es die falsche Entscheidung sein könnte. Natürlich können wir fallen. Natürlich können wir scheitern. Und selbstverständlich stehen wir manchmal vor Grenzen, die unser Weiterkommen behindern können. Aber in den meisten Fällen haben wir diese selbst gesetzt und wenn wir mutig sind, die Schranken anheben und einfach weitergehen, entstehen neue Wege. Wege, die zu unseren werden und die es sich zu gehen lohnt. Immer. Jedes Mal.

Was ich Dir nur sagen möchte: Unser Leben ist wunderbar. Wir haben so viele Möglichkeiten. So viele Chancen. Es gibt so viel, was wir aus unserem Leben machen können. Wir müssen nur den Mut haben, unseren Träumen zu folgen und auf unser Herz zu hören. Und wenn wir das tun, wenn wir es wirklich wollen und es einfach machen, dann leuchten tausend Lichter. Hab einen Traum. Entwickle eine Vision. Träume. Sei kreativ. Inspiriere andere. Das ist nicht nur gut für Dich. Das ist gut für alle.

Wie mein Weg weitergeht.

Mein Weg ist noch nicht zu Ende. Er hat gerade erst begonnen. Es ist ein ungepflasterter Weg. Voll von Hindernissen. Voll von Steinen. Manchmal werde ich stolpern. Manchmal fallen. Aber ich werde immer wieder aufstehen. Weitergehen. Weitermachen. Die Welt ist ein Spielplatz. Kein Gefängnis. Und wenn wir wollen, wenn wir wirklich wollen, ist alles möglich. Ja. Arbeit ist nicht länger der Ort, zu dem ich gehe. Arbeit ist das, was ich tue. Was mich ausfüllt. Was mich glücklich macht. Jeden Tag.

(Dieser Beitrag entstand im Rahmen des ERGO-Blog Award. Mehr dazu erfährst Du hierJetzt habe ich die Möglichkeit, diesen Award zu gewinnen. Und dazu brauche ich Deine Stimme! Ich habe den zweiten Platz belegt. Und das habe ich Dir und Deiner Stimme zu verdanken. Vielen Dank dafür!)